
Wolfratshausen aktuell
Wolfratshausen liegt in den Flusstälern von Loisach und Isar. Die Loisach mündet unmittelbar nördlich der Stadt im Bereich der Pupplinger Au in die Isar (sogenannter Isarspitz). Die Landeshauptstadt München liegt ca. 30 km nördlich.
Sehenswürdigkeiten
Pfarrkirche “St.Andreas” (erbaut 1484)
Evangelische Kirche St. Michael
Humplbräu (1619 erstmals urkundlich erwähnt)
Altstadt, historische Häuser denkmalgeschützter Ensemble-Schutz (seit August 2005 verkehrsberuhigte Einbahnstraße)
Das Schwankl-Eck
Burg: Auch wenn nur mehr ein Gedenkstein und einige Tuffsteinreste an die Burg erinnern, kann man doch die Ausmaße erahnen. 1734 wurde die Burg durch eine von einem Blitzschlag ausgelöste Explosion des Pulverturms zerstört.
Der japanische Garten Yuko Nihon Teien, ein Geschenk der japanischen Partnerstadt Iruma.
Heimatmuseum

Flößerdenkmal: Am Freitag, den 3. Juli 2009, wurde an der „Alten Floßlände“ das neue Flößerdenkmal feierlich enthüllt und erhielt die kirchlichen Weihen. Initiatorin waren Gisela Mosler, Vorsitzende des Vereins Lebendige Altstadt Wolfratshausen (LAW), LAW-Kümmerer Hans-Werner Kuhlmann und Werbekreis-Vize-Vorsitzender John Schille.
Daran teilnahmen die Erschafferin der Figur, die Grünwalder Künstlerin Barbara Hoyer, sowie die Flößer, die Sponsoren, Repräsentanten von Stadt, Stadtrat und weiterer Kulturbetreiber sowie viele interessierte Bürger der Stadt. Das Denkmal wurde der Stadt Wolfratshausen durch den LAW in einer Schenkung übergeben. Es wurde durch die beiden Pfarrer, Johannes von Bonhorst und Pfarrer Edzard Everts geweiht. Die Stadtkapelle Wolfratshausen begleitete den Festakt musikalisch. Barbara Hoyer hat sich bereits zweimal mit dem Thema Flößerei beschäftigt, denn sie fertigte 1999 für Grünwald eine ähnliche Flößerstatue und 2001 für die Grünwalder neue Isarbrücke die Statue von Johannes Nepomuk, dem Brückenheiligen und Schutzpatron der Flößer. Weitere Kunstwerke im öffentlichen sind vielerorts zu sehen. Auch an zahlreichen Ausstellungen und Symposien hat Hoyer teilgenommen, 1991 wurde sie mit dem 1. Preis der Benno- und Therese Danner Stiftung ausgezeichnet.
Freizeit und Erholung

Loisachhalle – das Kulturzentrum im Oberland, Kino
Floßfahrten auf Isar und Loisach
Freizeitpark Märchenwald im Isartal (eröffnet 1968). Viele Attraktionen warten hier auf Jung und Alt, zum Beispiel die “Oachkatzl”-Achterbahn.

Eine Wanderung durch den Bergwald eröffnet malerische Blicke auf Stadtgebiet und Umgebung sowie die Gipfel des Karwendel- und Wettersteingebirges vom Wendelstein im Osten bis zur Zugspitze im Süden.
Bergwald-Erlebnispfad
Radtouren oder Inlineskaten durch das Naturschutzgebiet Isarauen/Pupplinger Au.
Die Via Bavarica Tyrolensis, ein 225 km langer Radweg von München durch die Tiroler Gebirgswelt ins Inntal, führt durch die Pupplinger Au. Langläufer finden ca. 200 km Loipen in der Umgebung.
Regelmäßige Veranstaltungen:
Maibaumaufstellen
Wochenmarkt (freitags)
Märkte: Mittefastenmarkt, Nepomukmarkt/Flößermarkt (um den 16. Mai) , Kirchweihmarkt, Martinimarkt Christkindlmarkt/Christkindlmarktführung
Flößervorträge in historischen Gewändern/Historische Flößerführung
Historische Stadtführung in historischen Gewändern

Starkbierfest
Flohmärkte
Künstler-Ausstellungen
Theater- und Klassik-Abonnements
Johannisfloß-Prozession

Gelebtes, echtes Brauchtum ist die alle drei Jahre stattfindende eindrucksvolle Johannisfloß-Prozession zu Ehren des Hl. Johannes von Nepomuk, dem Schutzpatron der Flößer. Die Prozession in Wolfratshausen wurde 1994 wieder eingeführt. Bis 1910 hatte dieser Brauch zu Ehren des Hl. Johann von Nepomuk regelmäßig stattgefunden. Heute kann man die Prozession – im Abstand von drei Jahren – zum Jahrtag des Heiligen (16. Mai) erleben. So wie damals wird das Johannisfloß bei Einbruch der Dunkelheit festlich mit Fichtenzweigen geschmückt. In der Mitte errichtet man einen mit Blumen und brennenden Kerzen dekorierten Altar mit der Statue des heiligen Nepomuk. Bei beginnender Dämmerung wird das Floß an der oberen Loisachbrücke bei der „Bubenriebe“ (Äußere Beuerberger Straße 15) ins Wasser gelassen und fährt unter Musikklängen ab. Es landet unterhalb der Loisachbrücke (Johannisbrücke) bei der Alten Floßlände (frühere Hauptfloßlände) am Maibaum. Dort legt das Floß kurz an, damit der Pfarrer es segnen kann. Dann fährt es weiter bis zur Floßablegestelle in Weidach. Nach Abfahrt an der Alten Floßlände setzen Kinder kleine Lichterflöße und Lampions auf die Loisach. Flöße und Lichterflöße werden dann auf dem festlich beleuchteten Fußgängersteg von der „Nepomuksmusik“ empfangen. Kurz vor der Floßgasse am Kastenmühlwehr bildet ein Feuerwerk den feierlichen Abschluss.

Übernachtung
Humpl-Bräu, Hotel Thalhammer, Hotel Landhaus, Camping-Platz
Verkehr
A 95, Ausfahrt Wolfratshausen; Wolfratshausen ist Endstation der S-Bahn-Linie S7. Der Münchner Hauptbahnhof wird in ca. 40 Minuten erreicht, der Flughafen München in ca. 90 Minuten. Der Wolfratshauser Bahnhof stellt auch einen zentralen Busbahnhof für das Umland dar. Neben Buslinien des Regionalverkehr Oberbayern, die Anbindungen zu den einzelnen Ortsteilen und umliegenden Gemeinden herstellen, verkehren von hier auch erdgasbetriebene Stadtbuslinien.
Hinweisschilder auf die Flößerstadt Wolfratshausen

Wer jetzt die Autobahn A 95 München-Garmisch befährt, wird mit zwei Schildern auf die Flößerstadt Wolfratshausen aufmerksam gemacht. Eines steht in Richtung München fünf Kilometer vor der Raststätte Höhenrain, das andere auf der Gegenfahrbahn in Richtung Garmisch nahe an der Raststätte. Es ist ein gut erkennbar gestaltetes, braun-weißes Schild, auf dem die Umrisse der Altstadtsilhouette und ein Flößer mit Floß abgebildet sind. 6.000 Euro haben die Stadt die beiden Schilder gekostet, die nun mehr Touristen in die Stadt locken sollen.
Berühmte Persönlichkeiten
Dr. Edmund Stoiber Ministerpräsident des Freistaates Bayern vom 28. Mai 1993 bis 30. September 2007; Nantovinus (Märtyrer): Auf einer Wallfahrt nach Rom kam der Überlieferung nach Conrad Nantvin 1286 nach Wolfratshausen. Der dortige Pfleger Gantner war scharf auf sein Geld und ließ ihn in den Kerker und dann ins Feuer werfen. Am Ort des Martyriums im nach ihm benannten Ortsteil Nantwein ereigneten sich bald schon Wunder, Pilger strömten herbei, eine Wallfahrtskirche wurde zu Ehren des Märtyrers erbaut. Nantweins Hirnschale und seine Pilgerflasche werden als Reliquien verehrt.
Literatur
Chronik der Stadt Wolfratshausen: Geschichte der Burg Wolfratshausen und des gleichnamigen Marktes bis zur Stadterhebung, von Quirin Beer, Dachau 1986, ISBN 3-922394-76-0
Der Haderbräu in Wolfratshausen: Gastwirtschaft und Brauerei durch vier Jahrhunderte, von Cornelia Baumann-Oelwein, hrsg. von der Messerschmitt Stiftung, München, Wien: 1993, ISBN 3-486-56040-9
Wolfratshausen, Kirchen und Kapellen der Pfarrei, von Constantion Gantner, 1984, ISBN 3-7954-4334-2
Sagen und Legenden aus Wolfratshausen und Umgebung, von Gisela Schinzel-Penth, Andechs 1992, ISBN 3-921445-19-1
Marianne Balder/Stadt Wolfratshausen: Heimatbuch; Wolfratshausen 2002, Herausgegeben zum 1000-jährigen Jubiläum 2003, keine ISBN
Kurzchronik nach Jahreszahlen von Gabriele Rüth, keine ISBN
Chronik der Flößerei von Gabriele Rüth, keine ISBN
Bürgertum und Bohème – Die Wolfratshauser Bergwaldvillen und ihre Bewohner, Historischer Verein Wolfratshausen (Hrsg,) 2005, keine ISBN
Wir lebten in einer Oase des Friedens – Jüdische Mädchenschule in Wolfratshausen, Historischer Verein (Hrsg.), keine ISBN
Unterm Joch – Zwangsarbeit im Wolfratshauser Forst, Historischer Verein (Hrsg.) Keine ISBN.
Sport nach dem Krieg in Wolfratshausen, von Hans Reiser, keine ISBN
Wolfratshausen in alten Postkarten, von Marianne Balder, keine ISBN
Wolfratshauser Straßennamen, von Marianne Balder, keine ISBN
700 Jahre Nantweiner Kirche, Pfarrei Wolfratshausen (Hrsg.), 1981, keine ISBN
Illustrierte Wolfratshauser Kriminalgeschichten, von Marianne Balder, Franz Bäumler, 2005, keine ISBN
Nantwein – Eine Legende – viele Geschichten, von Gabriele Rüth, keine ISBN
Wolfratshausen historisch

Wolfratshausen fand seine erste Erwähnung als “wolueradeshusun” in einer Urkunde des Königs Heinrich II. vom 30. Juni 1003, am Hofe von Regensburg in Zusammenhang mit der Abgrenzung eines Jagdgebietes.
Die Wolfratshauser Burg wurde im Jahr 1116 von den Grafen von Wolfratshausen, einer Seitenlinie der Dießen-Andechser Grafen errichtet. Die Burg, die 1734 niederbrannte, wurde Amtssitz des herzoglichen Pflegers und Richters und Mittelpunkt des Landgerichts Wolfratshausen, das sich von Freising bis Tirol und vom Starnberger- bis zum Tegernsee erstreckte.
Im Jahre 1280 wurde Wolfratshausen erstmals als Markt bezeichnet. Ab dem 12. Jahrhundert legten Flöße von Wolfratshausen Richtung München ab. Es wurden hauptsächlich Baumaterialien transportiert. Seit dem 13. Jahrhundert ist Wolfratshausen Sitz eines Landgerichts.
Im Jahr 1312 gewährte Herzog Rudolf „den lieben Bürgern seines Marktes Wolfratshausen“ die bürgerliche Freiheit. Kurze Zeit später konnte der Richter Pfändungen zu Gunsten „der Leute von Wolfratshausen“ durchführen und 1330 bekam der Markt die Niedergerichtsbarkeit.
Im Jahre 1632 – während des Dreißigjährigen Kriegs – brachen die Schweden in Wolfratshausen ein, steckten viele Gebäude (u. a. die Kirche) in Brand und töteten zahlreiche Bewohner. 1634 brachten spanische Soldaten die Pest nach Wolfratshausen, durch die wieder zahlreiche Einwohner starben. Am 7. April 1734 zerstörte die Explosion von mehr als 17 Tonnen Pulver nach einem Blitzeinschlag in den Pulverturm die Burg. Die Steine der Ruine wurden zum Bau der Münchner Residenz und vieler Wolfratshauser Häuser verwendet. Die Floßfahrt erreichte 1848 ihren Höhepunkt mit jährlich ca. 5800 Flößen. 1853 erlebte Wolfratshausen das größte Hochwasser seiner Geschichte. Der TSV-Wolfratshausen, der älteste Sportverein im Altlandkreis, wurde 1864 gegründet, die Freiwillige Feuerwehr im Jahr 1865. 1870/71 fielen fünf Wolfratshauser im Deutsch-Französischen Krieg. 1874 brannte der Obermarkt. Zahlreiche Gebäude zwischen dem “Peterbäck” und dem Gasthaus zur Post wurden ein Raub der Flammen. Am 27. Juli 1891 nahm die Isartalbahn ihren Betrieb auf und beförderte Personen und Fracht von und nach München. 1894 hielt die Elektrizität durch den Umbau der alten Kastenmühle in ein Wasserkraftwerk Einzug.
1901 wurde die Pupplinger Au unter Naturschutz gestellt. 1902 bekam Wolfratshausen sein Bezirksamt (alte Bezeichnung für Landratsamt) wieder zurück, nachdem es ab 1862 von München aus verwaltet worden war. 1911 begann der Ausbau der Staatsstraße am Wolfratshauser Berg. Ein Erdbeben mittlerer Stärke verursachte Schäden. Während des 1914 ausgebrochenen Ersten Weltkrieges verloren 85 Wolfratshauser ihr Leben an der Front. Aufgrund der zunehmenden Motorisierung und der damit einhergehenden Steigerung des Verkehrs beschloss der Gemeinderat, ab 1. Januar 1920 auf den Pflasterzoll zu verzichten. Der Loisachkanal wurde 1924 fertiggestellt. 1928 war die Zeit des Hochwassers endlich vorbei. Die Loisach wurde begradigt und die neue obere Loisachbrücke wurde dem Verkehr übergeben. 1933 übernahmen die Nationalsozialisten das Wolfratshausener Rathaus. Immerhin konnte eine rein jüdische hauswirtschaftliche Frauenfachschule in einer Gründerzeitvilla noch bis zu den Novemberpogromen 1938 weiter existieren. Dann mussten aber die Schülerinnen binnen zweier Stunden den Ort verlassen, die Schule wurde geräumt und nach dem Krieg abgerissen.
1937 wurde im Staatsforst Wolfratshausen mit dem Bau einer Sprengstoff- und Munitionsfabrik und den Unterkünften für deren deutsche Arbeiter und ausländische Zwangsarbeiter begonnen. Nach dem Krieg entstand aus einem dieser Lager, dem ehemaligen Lager Föhrenwald, ein Lager für sogenannte “displaced persons”, 1957 dann der Ortsteil Waldram. Auf dem weitläufigen Gelände im Staatsforst entstand im Laufe der Jahre die Stadt Geretsried (Gerolzried). Bis auf die Sprengung der oberen Loisachbrücke im Jahr 1945 blieb Wolfratshausen in beiden Weltkriegen von schwerwiegenden Schäden verschont. Die Marktgemeinde wurde den Amerikanern kampflos übergeben. Leider verloren jedoch 160 Wolfratshauser ihr Leben während des Zweiten Weltkrieges. Kurz vor Kriegsende wurden KZ-Häftlinge durch Wolfratshausen getrieben. An den Elendszug erinnern noch heute viele Denkmäler entlang der Wegstrecke.
Am 25. Januar 1946 wurde bei der ersten Kommunalwahl demokratisch eine Gemeindeverwaltung gewählt. 1961 wurde die bisherige Marktgemeinde zur Stadt erhoben. 1962 entstand der Neubau der Grund- und Hauptschule Waldram. Das neue Kreiskrankenhaus wurde 1966 eingeweiht. 1972 entstand im Zuge der Gebietsreform aus den früheren Landkreisen Bad Tölz und Wolfratshausen der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Im selben Jahr fuhr die S-Bahn erstmals bis in die Loisachstadt. Das Kulturzentrum Loisachhalle wurde 1980 eingeweiht. 20 Jahre später war sie wegen Baumängeln nicht mehr benutzbar. Ministerpräsident Edmund Stoiber setzte 1989 den Grundstein für die neue, 142 Meter lange und ca. 4,3 Millionen Euro teure Marienbrücke. Zur 1000-Jahrfeier im Jahr 2003 wurde das umgestaltete Heimatmuseum eingeweiht. Es zeigt mit von Bürgern gestifteten kleinen und großen Objekten einen Querschnitt Zeitgeschichte von Wolfratshausen aus Wohnkultur, Kunsthandwerk, Handwerk und Gewerbe – so auch zur Flößerei. Am 11. Januar 2002 trafen sich Edmund Stoiber und Angela Merkel zum “Wolfratshausener Frühstück“, bei dem die Kanzler-Frage entschieden wurde. 2003 feierte Wolfratshausen sein 1000-jähriges Bestehen. Im August 2005 wurde der Markt zur Einbahnstraße. 2009 wurde die Loisachhalle nach siebenjähriger Schließung wieder eröffnet.
Wolfratshausen und die Flößerei
Wolfratshausen liegt auf dem Grund eines ehemals eiszeitlichen Sees.Die Loisach mündet im Bereich der Pupplinger Au in die Isar. Die Isar wurde vermutlich schon in vorgeschichtlicher Zeit als Handelsweg genutzt, um Waren aus dem Bereich der Alpen und aus Italien mit Hilfe von Flößen zur Donau zu transportieren. Die Loisach war seit dem frühen Mittelalter Handelsweg für Waren aus dem Oberland.
Durch das Marktrecht erhielt der Ort Bedeutung und Wohlstand, aber auch durch das Brauereigewerbe und die Flößerei. Die Frage nach dem genauen Beginn der Flößerei im Ort ist nicht leicht zu beantworten, belegt ist aber, dass ab dem 12. Jahrhundert Flöße von Wolfratshausen aus in Richtung München ablegten.
Graf Otto II. von Wolfratshausen (gest. 1122) aus dem Geschlecht der Dießen-Andechser errichtete auf dem beherrschenden Sporn-Bergrücken (am „Plattenstein“) westlich der Loisach eine Burg. Man kann annehmen, dass für den Bau und die Versorgung des Schlosses ein Floßbetrieb notwendig war.
Als 1157 das Geschlecht ausstarb, fiel die Grafschaft an das Stammhaus Dießen-Andechs zurück. Zum Vermächtnis von Heinrich II., dem letzten Grafen von Wolfratshausen, gehören auch eingenommene Floßpfennige.1243 übernahmen die Wittelsbacher die Burg und fünf Jahre später das Gebiet der Andechser.
Bereits vor 800 Jahren war Wolfratshausen ein zentraler Umschlagplatz für Flöße, hier war die erste Zollstelle auf bayerischem Boden. Im 13. und 14. Jahrhundert blühte die Flößerei auch im Ort so richtig auf, denn Holz spielte wegen der steigenden Bautätigkeit vor allem in München eine immer wichtigere Rolle. Die Flößer schlossen sich nun zu Zünften zusammen, um ihre Rechte, aber auch ihre Pflichten festzulegen.Im 15. Jahrhundert zählte man täglich zehn Flöße an der Wolfratshauser Lände, der Höhepunkt war wohl 1864 mit 5.840 Flößen im Jahr erreicht.
Die Flößerzünfte waren mächtig, denn jeder, der Holz verkaufen wollte, musste den Zunftflößern in Tölz und Wolfratshausen zum Transport überlassen. Immer wieder wollten die Herrschenden aber deren Monopolstellung brechen, zum Beispiel 1568. Da durften freie Flößer ihr eigenes Holz und alles, was sie selbst herstellten, selbst verflößen. Allerdings hielt diese Regelung nur rund 30 Jahre. 1821 allerdings erklärte dann der neue bayerische Staat die Floßfahrt endgültig zum freien Gewerbe, die Flößerzünfte an der Isar wurden aufgehoben.
Auf der Isar von Lenggries und auf der Loisach von Garmisch kommend, wurden Holz, Kalk, Gips, Kreide, Fische und an Importgütern Wolle Seide, Wein und Rosinen transportiert. Ziel war nicht nur München sondern auch Deggendorf, Passau, Wien und sogar Budapest. Auch Baumaterialien und große Lasten wurden auf Loisach und Isar bis München, über Inn und Donau weiter bis Wien und sogar bis zum Schwarzen Meer gebracht. Den Höhepunkt erreichte das Handwerk Mitte des 19. Jahrhunderts mit zirka 5.800 Flößen pro Jahr.
Die Isartalbahn, die 1891 zwischen München und Wolfratshausen in Betrieb ging, und die Lastkraftwagen ersetzten nach und nach das Floß als Transportmittel. Mit dem Bau des Walchenseekraftwerks zu Beginn der 1920-er Jahre wurde den Flößern der oberen Isar das erforderliche Wasser der Isar und Jachen entzogen. 1922 fuhr dann das letzte Floß von Wallgau nach München.
Vergnügungs-Floßfahrten
Ab 1903 entwickelte sich in Wolfratshausen ein neuer Unternehmenszweig: die Personen-Floßfahrt mit Vergnügungscharakter. Auch heute noch ist es ein unvergessliches Erlebnis, auf dem gemütlichen Floß in munterer Gesellschaft durch die naturgeschützte Pupplinger Au zu treiben, unter Brücken hindurch, über “Floßrutschen” hinunter, an Ufern mit herrlichen Mischwäldern entlang, an Nagelfluhfelsen und steilen Hochufern mit Burgen und Kirchen vorbei. Eine 25 km lange Flussstrecke von Wolfratshausen bis München wie im Bilderbuch. Die unverbaute Schönheit ist dem Isartalverein zu danken, der sich seit 1902 um die Erhaltung dieses Talabschnittes bemüht.
Jeweils ab 1. Mai sind sie auf Fahrt durchs Isartal, die Floßsaison wird beendet mit der traditionellen “Eisfahrt” Mitte September. Dazu laden die Floßunternehmer ihre Flößer mit Familien und Freunden ein. Gemeinsam fährt man auf geschmücktem Floß zum letzten Mal im Jahr nach München zur Zentrallände in Thalkirchen. In Mitteleuropa ist dies noch die einzige Strecke, auf der es in diesem Umfang Personenbeförderung durch Flöße gibt.
Wie seit Generationen weitergegeben, bauen die Flößer auch heute noch das Isar-Loisach Floß aus Fichtenholzstämmen in alter Technik zusammen. Das Werkzeug hierfür fertigen sie selbst in Handarbeit. In München werden die Flöße immer auseinander genommen und auf Lastwagen zurücktransportiert. Die Baumstämme können eine Saison lang genutzt werden, dann verkauft man sie als Bauholz an ein Sägewerk.
Wie die Alten, wissen auch Flößer heute um die Gefahren bei der Arbeit auf dem Wasser. Jedes Jahr feiern sie deshalb ihre gemeinsame Flößermesse und bitten um Schutz und Segen für die kommende Saison in aller Stille, am Namenstag des Brückenheiligen St. Johannes Nepomuk.

Legende vom Wolfratshauser Krautlöffel und dem Tölzer Prügel
1772 erhielten die Wolfratshauser Flößer von ihren Tölzer Kollegen den „Wolfratshauser Krautlöffel“ als Spottgeschenk, damit, wie es heißt: die Wolfratshauser Flößer ja nur das „Maul“ voll (Kraut) bekämen. Der Löffel fasst 2 Liter Flüssigkeit und ist 89 cm lang und 21 cm breit. Er ist heute im Heimatmuseum ausgestellt. Als Gegengabe sollen die Wolfratshauser den Tölzern einen derbe, knorrigen 2 Meter langen Isar-Triftscheit geschickt haben, die als „Tölzer Prügel“ bezeichnet wurden. Beide Gruppen machten sich auf den Weg – die einen mit dem Löffel, die andern mit dem Prügel – und trafen sich beim Postwirt in Königsdorf, was mit einer handfesten Prügelei endete.