Flößerei bald auch weltweites Immaterielles Kulturerbe?

Die Deutsche UNESCO-Kommission hat am 6. April 2021 die Nominierung neuer Kulturformen für die UNESCO-Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit bekannt gegeben. Darunter ist auch die multinationale Nominierung der Flößerei. Der zuständige Ausschuss der UN-Organisation entscheidet voraussichtlich Ende 2022 über die Anträge. Das Gremium setzt sich aus 24 gewählten Vertragsstaaten der Konvention zusammen.

Das Logo des UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes. Wir hoffen, dass unserem Antrag Ende 2022 entsprochen wird.

Eine multinationale Arbeitsgruppe mit Vertretern von Flößervereinen, UNESCO-Kommissionen und Kulturministerien aus Deutschland, Tschechien, Österreich, Polen, Lettland und Spanien arbeitet seit drei Jahren am entsprechenden Antrag. Gefordert waren vor allem die Nachweise, wie das immaterielle Kulturerbe Flößerei als lebendiges Handwerk weiterentwickelt und an die nächsten Generationen weitergegeben wird. Ebenso war zu erläutern, was in den Vereinen für eine Identität stiftende, breite Öffentlichkeitsarbeit getan wird und welche Erhaltungsmaßnahmen zur Sicherung dieses Erbes durch Vereine, lokale Behörden und staatliche Stellen praktiziert werden. Bis März 2021 konnten die Antragsunterlagen vervollständigt bzw. mit ausdrucksstarken Fotos und einem eindrucksvollen Video ergänzt werden.

Flößerei Deutschland

Flößerei Tschechien

Flößerei Österreich

Flößerei Polen

Flößerei Lettland

Flößerei Spanien

„Das ist ein Grund zum Jubeln“, freut sich darüber auch der Vorsitzende der Deutschen Flößereivereinigung, Martin Spreng, „aber auch ein Grund um Danke zu sagen. Vor allem danke ich unserem 2. Vorsitzenden Dr. Frank Thiel, der sich sehr engagiert hat, um die Sache voranzutreiben, und sich voll in die Vorbereitungsarbeiten in der Arbeitsgruppe mit dem ehemaligen Vorsitzenden der Internationalen Flößer-Vereinigung, Jaroslav Camplik, sowie den Vertretern aus Polen, Österreich, Spanien, Tschechien und Lettland eingebracht hat. Er dankte auch dem Ehrenvorsitzenden der Deutschen Flößereivereinigung, Hans Walter Keweloh, der seine alten Kontakte aktiviert und etliche Wissenschaftler animiert hatte Unterstützungsgutachten abzugeben.

„Große Freude herrscht auch bei mir und allen unseren Mitgliedern“, so unsere Vorsitzende Gabriele Rüth. „Denn unser gemeinnütziger Verein widmet sich seit vielen Jahren der Erforschung, Bewahrung und kulturellen Pflege der spannenden Geschichte der Flößerei. Und das vor allem in Bayern, da im oberbayerischen Wolfratshausen unser Vereinssitz ist. Als Mitglied in den deutschen und internationale Flößereivereinigungen (DFV, IATR) pflegen wir eine gute Zusammenarbeit, besonders jetzt in der multinationalen UNESCO-Nominierung.

Über die UNESCO-Kommission

Seit dem Jahr 2003 stellt die UNESCO kulturelle Ausdrucksformen in den Fokus der Öffentlichkeit. Im Zentrum stehen lebendige Traditionen und Riten, die einer Gemeinschaft ein Gefühl der Identität und der Kontinuität vermitteln. Dementsprechend zeichnet sich das immaterielle Kulturerbe durch seine Vielfalt. So sind darunter der spanische Flamenco, die japanische Puppentheatertradition oder die iranische Teppich-Knüpfkunst. Überall auf der Welt sollen überliefertes Wissen und Können sowie Alltagskulturen als sogenanntes immaterielles Kulturerbe erhalten und gefördert werden. Bis heute sind 180 Staaten dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes beigetreten. Deutschland gehört dem Vertrag seit 2013 an.

Seit 2014 ist die Flößerei in das bundesweite Verzeichnis als Immaterielles Kulturerbe eingetragen. Das ist zugleich Voraussetzung, um auf einer der internationalen Listen der UNESCO geführt zu werden.

Gegenwärtig beschäftigen sich in Deutschland zirka 2.100 Flößerinnen und Flößer in 26 Vereinen mit diesem immateriellen Kulturerbe, in Europa insgesamt nahezu 8.000 Frauen und Männer.

In Deutschland wird die Flößerei an folgenden Gewässern betrieben: Schleswig-Holstein (Elbe), Niedersachsen (Elbe, Aller, Weser), Bremen (Weser), Nordrhein-Westfalen (Rhein), Brandenburg (Havel mit angrenzenden Seen und Finowkanal), Sachsen (Muldenberger Floßgraben), Sachsen-Anhalt (Elsterfloßgraben), Thüringen (Saale, Werra, Elsterfloßgraben), Hessen (Weser), Baden-Württemberg (Kinzig, Nagold, Enz, Murg) und Bayern (Isar, Loisach, Lech, Rodach und Kronach).

Hier die Zustimmungserklärungen für eine multinationale UNESCO-Nominierung

Der weitere Zeitplan – Stand April 2021- für die Nominierung:

In den nächsten Wochen gibt das UNESCO-Sekretariat in Paris Rückmeldung, welche Nominierungen im Zyklus 2021-22 evaluiert (und somit bis Ende 2022 entschieden) werden. In der Regel gehen mehr Nominierungen ein, als Evaluierungskapazitäten vorliegen, eine Verschiebung auf den darauffolgenden Zyklus ist also nicht ausgeschlossen.

In der Regel im Juni (2021) teilt das UNESCO-Sekretariat in Paris mit, ob alle benötigten Unterlagen vorliegen. Sollte etwas fehlen, hat der einreichende Staat (in Zusammenarbeit mit den Staaten die davon betroffen sind) im Anschluss 3 Monate Zeit die Unterlagen nachzureichen. Sollte dies nicht geschehen, wird die Nominierung nicht im laufenden Zyklus berücksichtigt.

Ende 2021/Anfang 2022 läuft die Vorbewertung durch den Evaluation Body der UNESCO.

In der Regel im Juni (2022) kann es zu inhaltlichen Rückfragen kommen, falls aus Sicht des Evaluation Body einzelne (der insgesamt 5) Kriterien nicht ausreichend erläutert wurden. Der einreichende Staat hat dann 4 Wochen Zeit schriftlich auf diese Fragen zu antworten, um diese noch zufriedenstellend zu klären. Der Evaluation Body ist hierzu nicht verpflichtet, kann sich also aussuchen bei welchen Nominierungen er diesen Dialogprozess anwendet.

Zirka 4 Wochen vor dem Zwischenstaatlichen Ausschuss Ende 2022 veröffentlicht das UNESCO-Sekretariat in Paris auf www.unesco.org die Vorbewertungen des Evaluation Body, also ob Nominierungen die Kriterien erfüllen und für eine Einschreibung vorgeschlagen werden (oder nicht).

Der einreichende Staat hat dann (im negativen Fall) noch die Möglichkeit, das Dossier zurückzuziehen. Die 24 Mitglieder des Zwischenstaatlichen Ausschusses könnten theoretisch in der Sitzung auch anders entscheiden als der Evaluation Body vorschlägt. Dies geschieht in der Regel aber nur in Ausnahmefällen und wenn maximal 2 der Kriterien nicht erfüllt sind.

Wir verwenden Cookies um unsere Website zu optimieren und Ihnen das bestmögliche Online-Erlebnis zu bieten. Mit dem Klick auf „Alle erlauben“ erklären Sie sich damit einverstanden. Weiterführende Informationen und die Möglichkeit, einzelne Cookies zuzulassen oder sie zu deaktivieren, erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.